Spur 19
Die Spur der Wunder
Kann Gott in seiner Schöpfung handeln?
Die Frage
Kann Gott in seiner Schöpfung handeln?
Der Gedanke
Wunder sind nicht der normale Weg, über Gott zu sprechen. Der Glaube steht nicht auf der Suche nach dem Spektakulären. Aber Wunder erinnern daran, dass die Welt nicht in sich abgeschlossen sein muss. Eine Schöpfung ist nicht weniger geordnet, weil ihr Schöpfer frei handeln kann.
Was dieser Gedanke nahelegt
Wenn Gott der Schöpfer ist, sind Wunder nicht unmöglich. Naturgesetze beschreiben die verlässliche Ordnung der Welt; sie beweisen nicht, dass Gott niemals in seiner Schöpfung handeln dürfte. Ein Wunder wäre kein Zaubertrick und keine Lücke im Denken, sondern ein Zeichen: etwas, das über sich hinausweist und den Menschen zur Umkehr, zum Vertrauen oder zur Dankbarkeit ruft.
Ein ehrlicher Einwand
Viele angebliche Wunder sind Irrtum, Wunschdenken oder Betrug.
Eine Antwort
Das stimmt. Deshalb prüft die Wunder vorsichtig. Nicht alles Außergewöhnliche ist göttlich. Manches lässt sich natürlich erklären, manches bleibt unklar, manches ist Täuschung. Aber eine vorsichtige Prüfung ist etwas anderes als eine grundsätzliche Verweigerung. Wer jedes Wunder schon vorher ausschließt, prüft nicht mehr, sondern entscheidet im Voraus, wie Wirklichkeit sein darf.
Katholische Vertiefung
Wunder dienen nicht der Sensation. In der katholischen Sicht sind sie Zeichen, die auf Christus, auf Barmherzigkeit, Heilung und Umkehr weisen. Das größte Zeichen ist nicht das Auffällige, sondern Christus selbst: Gott handelt nicht, um Neugier zu bedienen, sondern um Menschen zu retten.
Eine Frage an dich
Bist du offen genug, nicht alles Wirkliche auf das zu reduzieren, was du schon erwartest?