Zum Inhalt springen

Spur 10

Die Spur der Sehnsucht

Warum reicht uns nichts Endliches ganz?

Eine offene Tür führt aus einem dunklen Raum in warmes Licht.

Die Frage

Warum reicht uns nichts Endliches ganz?

Der Gedanke

Der Mensch sehnt sich. Nach Liebe, Anerkennung, Wahrheit, Frieden, Heimat, Sinn. Er erreicht Ziele, kauft Dinge, erlebt Nähe, sammelt Eindrücke, wird abgelenkt und bleibt doch manchmal merkwürdig ungestillt. Nicht immer aus Undankbarkeit, sondern weil im Menschen eine Weite ist, die kein endliches Gut ganz füllt.

Was dieser Gedanke nahelegt

Diese Sehnsucht ist kein Beweis im mathematischen Sinn. Aber sie ist eine Spur. Wie Lunge auf Luft, Auge auf Licht und Hunger auf Nahrung verweisen, so kann die tiefste Sehnsucht des Menschen auf eine Wirklichkeit verweisen, die größer ist als alles Endliche. Vielleicht ist unsere Unruhe nicht nur ein Defekt, sondern ein Hinweis darauf, dass der Mensch für mehr geschaffen ist als Konsum, Erfolg und Ablenkung.

Ein ehrlicher Einwand

Nicht jede Sehnsucht beweist ihr Objekt.

Eine Antwort

Richtig. Menschen können sich nach Unmöglichem sehnen. Aber die Sehnsucht nach Wahrheit, Liebe, Gerechtigkeit, Schönheit und endgültiger Heimat ist nicht irgendeine Laune. Sie durchzieht Kulturen, Biografien, Kunst, Philosophie, Freundschaft und Trauer. Selbst der Mensch, der Gott ablehnt, sucht oft etwas Unbedingtes: Wahrheit statt bloßer Meinung, Liebe statt bloßer Lust, Sinn statt bloßer Funktion. Diese Suche verdient mehr als den schnellen Satz, sie sei nur Chemie.

Katholische Vertiefung

Der beginnt mit dem Verlangen nach Gott: Der Mensch ist nicht nur denkend, sondern suchend. Augustinus formulierte: Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Gott. Der katholische Glaube sagt: Diese Unruhe wird nicht durch irgendein religiöses Gefühl erfüllt, sondern durch Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, der den Menschen kennt und ruft.

Eine Frage an dich

Was wäre, wenn deine Unruhe nicht dein Defekt ist, sondern dein Kompass?

Kurz erklärt

Alle Begriffe im Glossar