Spur 9
Die Spur der Menschenwürde
Warum ist jeder Mensch unendlich kostbar?
Die Frage
Warum ist jeder Mensch unendlich kostbar?
Der Gedanke
Wir glauben, dass jeder Mensch Würde hat: auch der Schwache, der Kranke, der Alte, der Ungeborene, der Hilfsbedürftige, der Schuldige, der Mensch, der anderen zur Last fällt. Nach den Grausamkeiten des Nationalsozialismus steht diese Überzeugung am Anfang des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Was dieser Gedanke nahelegt
Unsere Verfassung behandelt Menschenwürde nicht wie eine Meinung, die Mehrheiten neu verhandeln dürfen. Der Staat schafft Würde nicht, er hat sie zu achten und zu schützen. Wenn Würde nicht von Leistung, Gesundheit, Bewusstsein, Nützlichkeit, Stärke oder Anerkennung abhängt, braucht sie einen Grund, der tiefer liegt als jede Eigenschaft, die ein Mensch verlieren kann.
Ein ehrlicher Einwand
Menschenwürde kann auch säkular begründet werden.
Eine Antwort
Ja. Viele säkulare Menschen verteidigen Menschenwürde ernsthaft, oft mutiger als Christen. Die Frage ist nicht, ob ein Atheist moralisch sein kann. Natürlich kann er das. Die tiefere Frage lautet: Was macht Würde unverlierbar? Wenn Würde nur eine gesellschaftliche Konstruktion ist, bleibt sie abhängig von gesellschaftlicher Anerkennung. Dann kann eine Gesellschaft sie setzen, umdeuten oder bestimmten Menschen faktisch absprechen. Aber gerade das will der Gedanke der unantastbaren Würde verhindern: Der Mensch darf niemals bloß Mittel sein, auch dann nicht, wenn Mehrheit, Nutzen oder Macht es nahelegen.
Katholische Vertiefung
Der Mensch ist Bild Gottes. Darum ist seine Würde nicht verliehen, sondern empfangen; nicht verdient, sondern gegeben. Sie bleibt auch dort, wo ein Mensch schwach, schuldig, abhängig oder unerwünscht ist. Christus verschärft diesen Blick: Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.
Eine Frage an dich
Warum darf ein Mensch niemals nur Mittel zum Zweck sein?